Extended Violin

concertare“

Von Tobias Großhauser, 2004

 

Einführung:

 

Dieses Musikstück ist für Violine, Laser und Computer komponiert. Alle Parameter der Effekte, Sounds und der räumlichen Position der Musik werden vom Musiker live über eine Schaltmatrix mit dem Fuß geschaltet und verändert. Die Laser werden ebenfalls vom Computer angesteuert.

Die Musikausgabe erfolgt über den PC und hat je nach örtlichen Gegebenheiten 2- 16 Kanäle.

Tobias Großhauser bei einer live Performance

 

Musikalischer Hintergrund:

 

Eines der Hauptmerkmale dieses Musikstücks ist das Musizieren mit/gegen den Computer. Delays verschwimmen zu Loops, Loops wirken wie oft wiederholte Delays.

Der Musiker kann selbst bestimmen, wann bestimmte Passagen in welcher Geschwindigkeit mit z. B. Delays wiedererklingen sollen oder als Loops konstant wiederholt werden und eine Begleitung für weitere Sounds oder Melodien bilden.

Wichtig war auch, den schönen natürlichen Klang der Violine mit den schroffen und unangenehmen Klangmöglichkeiten auf besondere Art zu verbinden. Diese Techniken ergaben eine sehr erweiterte Notenschrift mit vielen neuen Zeichen und Farben, wobei die improvisatorische Freiheit an geeigneter Stelle nicht zu kurz kommt.

Die Darstellung der Noten und der zusätzlichen musikalischen Parameter erfolgt auf dem Bildschirm.

 

Concertare

 

Concertare“ (lat.: wettstreiten, kämpfen), der Ursprung des Begriffs „Konzert“, wird meist mit einem solistischen Werk mit Orchester benutzt. In diesem Stück bedeutet er „der Wettkampf mit der Maschine“, dem Computer. An manchen Stellen ist dieser Wettstreit deutlich hörbar, die Geige kann sich kaum gegen die technischen Klänge durchsetzen, an anderen Stellen stellt sich eine scheinbar versöhnliche Einigkeit ein, die jedoch meist wieder abrupt Durchbrochen wird. Letztendlich hat der Musiker, allein schon durch die Kontrolle der Lautstärke, alle Kontrollmöglichkeiten, aber bei zu komplexen Begleitfiguren ist es auch faszinierend, von der „Begleitung- Computer- Maschine“ überwältigt zu werden.

 

Technischer Hintergrund:

 

Die aufwändige technische Echtzeitberechnung der Effekte erfolgt mit einem Linux System und jMAX. Ein spezieller Kernel ermöglicht minimale Latenzzeiten und einen sehr stabilen Ablauf.

Eine Neuentwicklung stellt das Floor- board dar, das einen direkten Zugriff des Musikers auf nahezu alle Effektparameter und Aufnahmefunktionen während des Spielens ermöglicht. Gerade mit den Loopfunktionen können kurze Sequenzen des Spiels aufgenommen und evtl. zeitverzögert wiedergegeben werden.

 

Raumsteuerung

 

Die räumliche Steuerung der Sounds bei Mehrkanal- Wiedergabe erfolgt über Fußtaster, bei mehreren Kanälen über einen zusätzlichen „Choregraphen“, der in der Mitte des Raumes die Sounds über 2 Joysticks in allen 3 Dimensionen steuern kann. Somit kommt eine zusätzlicher musikalischer Parameter ins Spiel, da die Musikwiedergabe nicht mehr an die Bühne gebunden ist, sondern im ganzen Raum verteilt ist. Das Publikum sitzt wie in einem Surroundkino, umgeben von sich bewegender Musik und Sounds.



Laservisualisierung

 

Es kommen 7 Lasermodule zum Einsatz. Die Lichtstärke ist modulierbar. Auf diese Weise tritt der Laser, gesteuert über den Computer mit dem Musiker in Interaktion. Dies geschieht z. B. über die Lautstärke, später wird es weniger offensichtlich durch die Anwendung spezieller Algorithmen, die die Wiederholgeschwindigkeit des Delays für die Pulsung der Laser nützen.

 

Nah/fern, real/surreal

 

Der natürliche Klang der Violine ändert sich von sehr

trocken <-> nah,

zu hallig, leise <-> fern,

von real, natürlichem Klang <-> zu verzerrten, surrealen, „unnatürlichen“ Klängen

und sämtlichen Kombinationen.

 



Daten zum Stück:

 

Dieses Stück ist das erste von 9 aus der Reihe „extended Violin“. Der Komponist und Geiger T. Großhauser spielt auf dieser Aufnahme selbst.

Komponiert wurde dieses Stück im Jahre 2004, aufgenommen und auf 2 Spuren gemischt im Januar 2005.